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Erscheinungstermin: 28. Oktober 2009 Redaktionsschluss: 23. Oktober 2009
Kommentar:
Bei kristalliner Kälte und pigmentreduziertem Licht bricht Tag an. Fahrzeuge und Gebautes zeichnen sich als Schlagschatten auf versiegelten Bodenflächen ab. Sie behalten Licht ein und lenken es um. Bewegliches ist als Grauwert anwesend. Erst im gefuühlten Bodenkontakt wärmen sich die Sinne leise auf. Die Vermutung, dass durch weit geöffnete Augen nur das Ausmaß an innerer Kälte zunehmen könnte, erledigt sich. Der eigene Körper weiß, sich den jahreszeitlichen Klimaveränderungen anzupassen. Zuverlässig versorgt der eigene Atem das Gesichtsfeld und hält den Kopfraum durchlässig. Aus dem Inneren werden Standbilder und Sequenzen auf die Netzhaut projiziert. Es ist irrelevant, wann sie aufgezeichnet wurden. Wie ein stummer Chor durchqueren Menschen das Bild. Sie tragen Kleidung, die ihre Gliedmaßen betont, und lassen kaum besondere Merkmale und Kennzeichnen erkennen. Sie achten darauf, nicht mit denen zu kollidieren, die sich wenig aus Körperpassform und gedeckten Farben machen. Sie sind trainiert, fü̈r die Länge einer Fotoaufnahme Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und diese als Digitalisat an sich zu binden. Als solches besetzen und pflegen sie Zonen im virtuellen Raum. Ein Griff an den muützenbedeckten Hinterkopf holt die Erinnerung an handgewebte Bodentextilien in Fingerkuppen und Handinnenfläche. Quadratische Fliesen, die optisch alle Merkmale präsent halten, die entstehen, wenn parzellierter, verfugter Steinboden stark frequentiert, benutzt und nicht täglich nachgebessert werden kann. Eine zweite Schicht Boden. Eigen darin, dem Verlangen nach einer Schönheitsvorstellung, die die Variation als Makel ausgrenzt, mit klaren Argumenten einen Stich zu versetzen. Unaufhaltsam nähert sich eine Gruppe Menschen. Einzelne kernen sich aus ihren Silhouetten. Blicke begegnen sich in Irisnähe. Sehen sättigt sich an spürbarem Interesse. Greise Baumfragmente sind durch unbegreifliche Erdmassenbewegungen hindurchgeflutet und gereinigt worden. Als Frachtgut transkontinental verschifft, sind sie in Innenräumen angekommen. Bei der Auswahl der Keile, die sie in einer Position fixieren, hat man sich respektvoll an ihrer individuellen Statik orientiert. Einem Schuhmacher gleich, der nicht vorschnell alle Exemplare einer Spezies unaufgefordert und ungefragt uüber einen Leisten zieht. Stefanie Manthey, Oktober 2009